Das Warenhaus Manor will auch am Sonntag öffnen (BIld: Manor).

Dank Touristen zum Sonntagsverkauf

Touristengeschäfte dürfen am Wochenende bis um 17 Uhr öffnen. Auch das Warenhaus Manor will von dieser Regel profitieren – und stellt ein Gesuch mit Signalwirkung.

In Luzern haben die Läden normalerweise am Samstag bis um 16 Uhr geöffnet, am Sonntag bleiben die Türen geschlossen. So ist es im Ruhetags- und Ladenschlussgesetz geregelt. Die Ausnahmen: Bäckereien, Konditoreien, Molkereien, Blumengeschäfte, Tankstellen, Bahnhofs- und Touristenläden.

Zu Letzteren zählt sich offenbar auch das Warenhaus Manor in der Luzerner Altstadt. Manor will nämlich von einer Sonderregelung in der Verordnung über die Schliessungszeiten der Verkaufsgeschäfte in der Stadt Luzern profitieren. Dort heisst es: «Speziell auf Tourismus ausgerichtete Verkaufsgeschäfte können auf Gesuch ganzjährig offengehalten werden.» Das Warenhaus hat ein entsprechendes Gesuch an die Stadt Luzern gestellt. Mario Lütolf, Leiter von Stadtraum und Veranstaltung, sowie Thomas Christen, Chef Gastgewerbe und Gewerbepolizei, bestätigen Recherchen unserer Zeitung. «Das Gesuch befindet sich in Prüfung», so Lütolf dazu.

Zu den Beweggründen sagt Manor-Mediensprecherin Elle Steinbrecher: «Die Ladenöffnungszeiten in Luzern erachten wir als nicht mehr zeitgemäss.» So habe Manor den Wunsch, an Wochentagen bis 20 Uhr, an Samstagen bis 18 Uhr zu öffnen. Zudem sollen auch an Sonntagen auf «Tourismus ausgerichtete Bereiche des Warenhauses» für Kunden zugänglich sein.

Das Sortiment muss stimmen

Ein Geschäft darf gemäss Mario Lütolf dann auch sonntags öffnen, wenn mindestens 50 Prozent des Jahresumsatzes aus Verkäufen an Touristen erzielt wird. «Zudem muss das Verkaufssortiment auf die Bedürfnisse von Touristen ausgerichtet sein.» Das bedeutet konkret: Die Läden müssen Souvenirs wie Karten, ­T-Shirts oder Bücher, die einen Bezug zu Luzern oder der Schweiz haben, verkaufen. Weiter zählen dazu auch internationale Bücher, Reiseführer, Taschenmesser, Uhren, Schmuck und Schokolade. So ist es in der Verordnung über die Schliessungszeiten der Verkaufsgeschäfte in der Stadt Luzern definiert. «Es ist nicht allein massgebend, ob das betreffende Geschäft vorab von Reisenden frequentiert wird. Entscheidend ist vielmehr das auf den Tourismus ausgerichtete Sortiment», ergänzt Thomas Christen.

Um die Ausnahmebewilligung zu erhalten, muss ein Geschäft angeben, wie viele Kunden Touristen sind. Die städtische Dienststelle Stadtraum und Veranstaltung prüft solche Gesuche und bewilligt sie in Zusammenarbeit mit der Gastgewerbe- und Gewerbepolizei des Kantons Luzern. «Danach erfolgt die Kontrolle im Rahmen periodischer Stichproben vor Ort», sagt Lütolf. Eine erteilte Ausnahmebewilligung könne gegebenenfalls widerrufen werden. Lütolf: «Das Ruhetags- und Ladenschlussgesetz darf durch die Anwendung des Tourismusartikels nicht unterwandert werden.»

40 Geschäfte haben Bewilligung

Falls das Gesuch von Manor bewilligt würde, hätte das eine Signalwirkung: Manor erhielte als erster grosser Player, der nicht einzig auf Touristen spezialisiert ist, eine solche Bewilligung. Gut möglich, dass danach Konkurrenten wie Coop City, Migros oder Globus versuchen würden, dem Beispiel zu folgen. Bisher profitieren von der Touristenregel rund 40 Geschäfte in der Luzerner Innenstadt. Beispiele sind Bally, Bucherer, Cartier, Casagrande oder Gübelin.

Auch kleinere Geschäfte mit nur teilweise auf Touristen ausgerichtetem Sortiment versuchen offenbar, dank der erwähnten Regel am Sonntag öffnen zu können. Ein Laden, der die Bewilligung dafür schon erhalten hat, ist «Changemaker» in der Kramgasse. Das Geschäft verkauft ein breites Sortiment an Fairtrade-Artikeln und hat seit Mai letzten Jahres auch am Sonntag geöffnet. Gemäss Lütolf erhielt es dafür eine vorerst auf ein Jahr befristete Bewilligung. Grund dafür sei die «spezifische Angebotspalette». Im Einkaufsladen Changemaker gibt es unter anderem auch Holzkühe, Armeetaschen und Edelweissseifen, die als Souvenir gelten dürften. Das Luzerner Geschäft ist die einzige von sieben Filialen in der Schweiz, die auch am Sonntag öffnen darf. In anderen Städten hat man kein Gesuch gestellt, wie es auf Anfrage unserer Zeitung heisst. In der Touristenstadt Luzern gebe es mehr Touristen als in anderen Städten. Filialleiterin Manuela Stojkovic sagt zu der Kundschaft: «Etwa die Hälfte unserer Kunden sind Touristen.» Der Sonntagsverkauf habe sich seit Mai gut etabliert, das Geschäft laufe gut. «Wir haben damit gute Erfahrungen gemacht», so Manuela Stojkovic.

Publiziert in der Neuen Luzerner Zeitung am 3. März 2016.

UPDATES:

Auch weitere Warenhäuser in den Startlöchern.

Kritik aus dem Detailhandel: Sind Sonntagsgeschäfte wirklich touristisch?

Manor blitzt bei Stadt ab.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.